Geschrieben von Julia Kleine
Datum:
Forscher der Universität Göttingen vermuten, dass weltweit bislang im Durchschnitt nur etwa sechs Prozent aller Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen wurden. Die Zahl der Infektionen sei demnach in allen betroffenen Ländern deutlich höher als bislang angenommen. Die Entwicklungsökonomen Christian Bommer und Sebastian Vollmer nutzten Schätzungen der Mortalität von COVID-19 und der Zeit bis zum Tod aus einer kürzlich veröffentlichten Studie, um so die Qualität der offiziellen Fallaufzeichnungen zu prüfen. Laut ihren Berechnungen könnte die tatsächliche Zahl der Infizierten weltweit bereits mehrere zehn Millionen erreicht haben. Aus diesen Ergebnissen schließen die beiden Wissenschaftler, dass Regierungen und politische Entscheidungsträger bei der Interpretation der Fallzahlen zu Planungszwecken äußerste Vorsicht walten lassen müssen. Solche extremen Unterschiede in Umfang und Qualität der in den verschiedenen Ländern vorgenommenen Tests bedeuteten, dass die offiziellen Fallzahlen keine hilfreichen Informationen liefern, erklärten Bommer und Vollmer. Die Fähigkeit, neue Infektionen zu erkennen und damit die Ausbreitung des Virus einzudämmen, müsse dringend verbessert werden.