Das Vorgehen gegen Marcel Riethig sei eine „Hexenjagd“ – so bezeichnet es Ronald Schminke, SPD-Politiker aus Hann. Münden und ehemaliges Mitglied des Niedersächsischen Landtages. Er nennt die in der vergangenen Woche gegen den Göttinger Landrat bekannt gewordenen Vorwürfe „unberechtigt“ und „dramatisch überzogen“. Riethigs Arbeitsstil als Landrat beschriebt Schminke auf Anfrage unserer Redaktion wie folgt: „Es kann sein, dass er an der einen oder anderen Stelle ziemlich viel verlangt hat, aber der hat in der Verwaltung an manchen Stellen auch aufgeräumt.“
Dabei ginge es unter anderem um über 1.000 Bauanträge, die zu Beginn von Riethigs Amtszeit nicht bewilligt waren. Inzwischen seien es nur noch um die Hundert. Generell habe Riethig vieles für die Menschen positiv verändert. Neben den Anschuldigungen an sich kritisiert Schminke das Vorgehen des Unterbezirksvorsitzenden Dr. Andreas Philippi:
„Ja ich finde das kann so nicht sein, wenn ein Unterbezirksvorstand eine Entscheidung trifft und abstimmt und sagt der kriegt jetzt 48 Stunden Gelegenheit Stellung zu beziehen und sich zu äußern, dann kann der nicht eine Stunde später schon eine Pressemitteilung rausgeben und dann mitteilen, dass der nicht mehr für die SPD Kandidat sein kann. Also das geht nicht und das finden auch viele, die im Unterbezirksvorstand sind, nicht in Ordnung.“ Dr. Philippi habe Riethig zudem geraten, seine Amtsgeschäfte ruhen zu lassen, was für ihn als Beamten allerdings eine Dienstpflichtverletzung bedeuten würde. Schminke fordert Dr. Philippi aufgrund des „desolaten Krisenmanagements“ und seiner „totalen Überforderung“ auf, von allen Ämtern zurückzutreten.
Dr. Philippi selbst äußert sich nicht zu den Rücktrittsforderungen. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte er mit, dass er Pressemitteilungen von Schminke generell nicht kommentiere: „Sowas disqualifiziere sich von selbst.“