Geschrieben von Jeanine Rudat
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Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat den Umgang der Universität Göttingen mit dem ehemaligen Göttinger Professor Paul Anton De Lagarde als verharmlosend kritisiert. In einem offenen Brief dazu erklärt der Referent für Politische Bildung, Benjamin Söchtig, dass Lagarde ein glühender Antisemit gewesen sei, der seine Vernichtungsphantasien gegen Juden klar formuliert habe. Mit dem Aussparen seiner antisemitischen Ideologie verletze die Universität ihre wissenschaftliche Sorgfaltspflicht. Das Seminar für Ägyptologie und Koptologie erwähnte ihn auf der eigenen Homepage als „wohl beste[n] Koptologe[n] der Zeit“ und sagte, er sei „außerhalb seines Fachgebiets vor allem durch seine zivilisationskritischen politischen Schriften“ bekannt geworden. Dies sei eine Verharmlosung seines eigentlichen Gedankenguts, so der AStA. Das Seminar für Arabistik/ Islamwissenschaften habe immerhin seinen Antisemitismus erwähnt. Der AStA fordert die Seminare auf, nicht weiter das Gedankengut Lagardes zu verharmlosen und zu verklären, sondern stattdessen eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Antisemitismus zu beginnen und öffentlich zu machen. Die Universitätsleitung machte in einer Stellungnahme deutlich, dass sie die Informationen des AStA sehr ernst nehme und sich mit den Seminaren auseinandersetzen werde. Außerdem lud sie die Studierendenvertretung zu einem Gespräch mit Dirk Schumann ein, der mit seinem Team die NS-Zeit der Universität aufarbeitet. Zusammen solle das weitere Vorgehen geplant werden. De Lagarde war Ende des 19. Jahrhunderts Professor für Orientalische Philologie an der Universität Göttingen.