Sendung: Mittendrin Redaktion
AutorIn: Nicklas Krämer
Datum:
Dauer: 04:14 Minuten bisher gehört: 266
Die zu Beginn als "Oma-Räder" verschrieenen Elektrofahrräder erfreuen sich, altersunabhängig, immer größerer Beliebtheit. E-Bikes sind eine gute Möglichkeit, das Fahrrad als universelles Fortbewegungsmittel einzusetzen. Sei es, um trotz Bergen oder Hügeln zur Arbeit zu kommen, ohne komplett durchgeschwitzt das Büro zu erreichen oder mit einem Anhänger zum Einkaufen zu fahren. Doch die neue Mobilität birgt auch Gefahren. Die Polizeiinspektion Göttingen hat hierzu einen öffentlichen Informationsnachmittag rund um das Elektrorad veranstaltet. Genaueres hören Sie von Nicklas Krämer.
Dieser Beitrag wird Ihnen präsentiert von: Lünemann

Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke vor einem Elektrofahrrad der Polizeiinspektion Göttingen (Bild: Nicklas Krämer)

Manuskript

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Fahrrad oder Maschine? Der Übergang ist fließend. Doch die heutigen Elektroräder sind definitv mehr Maschine als einfacher Drahtesel. Durch einen verbauten Elektromotor wirken mit Leichtigkeit Kräfte, die das Rad sehr schnell beschleunigen. Diese Kräfte wirken aber auch auf nahezu alle Teile des Fahrrades. Daher ist es nötig, hier deutlich robustere Teile zu verbauen. Aufgrund höherer Geschwindigkeiten und einem erhöhten Gewicht braucht es hier natürlich auch stärkere Bremsen als bei einem normalen Fahrrad. Was Sie beachten sollten, wenn sich sich zum ersten Mal auf solch ein motorisiertes Zweirad schwingen, erfahren Sie von Jörn Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Göttingen.

 

O-Ton 1, Jörg Arnecke, 29 Sekunden

"Als Anfänger sollten Sie sich mit Ihrem Fahrrad im Vorfeld schon mal ausgiebig vertraut machen. Demenstprechend auf, ich sag mal, Straßen oder Wegen, wo wenig Verkehr ist, üben. Üben dahingehend, inwieweit Ihr Fahrzeug sich richtig gut und leicht lenken lässt, weil der Radius ist etwas anders. Die Räder sind auch wesentlich schwerer. Und Sie sollten auf alle Fälle ein paar Bremsproben machen, denn bei dem Elektrorad wird sich der Anhalteweg dahingehend verändern: Er ist länger."

 

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In deutschen Haushalten gibt es annähernd fünf Millionen Elektroräder. 95 Prozent davon sind sogenannte Pedelecs. Diese sind rechtlich mit Fahrrädern gleichgestellt. Ein eingebauter Elektromotor sorgt für eine Tretunterstützung. Erreicht das Gefährt eine Geschwindigkeit von 25 km/h fällt die Tretunterstützung weg, sodass nur aus Muskelkraft schneller gefahren werden kann. Ein Pedelec ist allerdings kein E-Bike. Als E-Bike werden Räder bezeichnet, die ohne Einwirkung von Muskelkraft angetrieben werden können. Im Gegensatz zu den Pedelecs wird hierfür auch eine Mofa-Prüfbescheinigung benötigt. Je nach Bedarf kann sich für Sie ein anderes Elektrorad eignen. Hierbei ist es wichtig, das passende Rad in einer Fachberatung zu finden. Aber egal ob E-Bike oder Pedelec: Es wirken immense Kräfte und damit bergen sie natürlich auch Gefahren. Daher ist es mit Elektrorädern umso wichtiger, einen Helm zu tragen. Arnecke über die Unfalllage in Göttingen:

 

O-Ton 2, Jörg Arnecke, 21 Sekunden

"2017 hatten wir im Stadtgebiet Göttingen annähernd 710 verunglückte Personen, also Fahrradfahrer und Autofahrer, wobei rund 34 Prozent Radfahrer waren. Hervorzuheben ist, dass wir 2017 zwei tödlich verletzte Fahrradfahrer hatten, die mit ihren Elektrorädern unterwegs waren."

 

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In Göttingen sind besonders Kreisel und große Kreuzungen, wie beispielsweise am Groner Tor, unfallanfällig. Arnecke betont, dass ein jeder Unfall vermeidbar sei, wenn alle Verkehrsteilnehmer, Fahrradfahrer wie Autos, mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden. Vor allem Pedelecs, die auf Radwegen unterwegs sind, werden in ihrer Geschwindigkeit leicht unterschätzt. Um Unfällen vorzubeugen, veranstaltet die Polizeiinspektion Göttingen in Kooperation mit der Verkehrswacht Göttingen noch in diesem Halbjahr den ersten Verkehrssicherheitstag für Elektrofahrräder im Stadtgebiet Göttingen. Dabei soll auch ein Fahrsicherheitstraining für E-Radfahrer angeboten werden. Das sei aber nur eine von mehreren Präventionsveranstaltungen, so Arnecke. Guter Rat muss eben nicht immer teuer sein. Ein gutes Rad hingegen ist oft teuer. Die Preise für Elektroräder liegen meist im vierstelligen Bereich. Dazu Arnecke:

 

O-Ton 3, Jörg Arnecke, 16 Sekunden

"Elektrofahrräder haben einen sehr hohen Wert und sind dahingehend natürlich auch ehr begehrt. Seien Sie schlauer als der Klauer! Nutzen Sie entsprechende Schlösser, die wirklich sicher sind und stellen Sie ihre Fahrräder nur an einem Ort ab, der auch gut einsehbar ist."

 

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Außerdem empfiehlt Arnecke, Räder mithilfe ihrer individuellen Rahmennummer und persönlichen Kennzeichen bei der Polizei zu registrieren. So kann das Rad, sollte es gestohlen werden, eindeutig identifiziert werden und Sie haben einen leichteren Anspruch auf Ihr Eigentum. Der hohe Wert der Elektroräder kommt vor allem durch die qualitativ hochwertigen Komponenten zustande. Um aus dem gezahlten Preis den größten Fahrspaß zu holen, ist es wichtig, schonend mit dem Rad umzugehen. In Sachen Akkuladung herrscht oft Verwirrung, wie am besten mit dem Akku umgegangen werden soll. Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der "Fahrradgarage Gleichen", Massao Wolf, empfiehlt, die Akkuladung immer zwischen 20 und 80 Prozent pendeln zu lassen. Außerdem rät er, beim Anfahren niederigere Gänge zu nutzen, um die Kette zu schonen.