Sendung: Aufgeweckt - Mehr am Morgen Redaktion
AutorIn: Kilian Schlichting
Datum:
Dauer: 05:50 Minuten bisher gehört: 313
Die abenteuerlustigen Seeräuber waren dafür bekannt, auf ihren Reisen die ganze Welt zu umsegeln. Gewisse Parallelen sind bei Meinhart Ramaswamy nicht von der Hand zu weisen: Der Sohn eines indischen Vaters und einer tschechischen Mutter ist in Wien geboren, lebt heute in Göttingen, bezeichnet sich selbst als Internationalist und hat den Kurs in seinem eigenen Leben häufiger gewechselt. So ist es nicht verwunderlich, dass Ramaswamy bei der kommenden Bundestagswahl für die Piraten antritt, und zwar im Wahlkreis Goslar, Northeim, Osterode. Wo seine politischen Schwerpunkte liegen, erfahren Sie jetzt von Kilian Schlichting.

Manuskript

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Im Gegensatz zum Protagonisten von Fluch der Karibik musste sich Meinhart Ramaswamy bisher noch nicht anhören, er sei ein schlechter Pirat. Immerhin hatten ihn seine Freunde aus der Piratenpartei zum Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl Anfang 2013 gewählt. Außerdem kann es so etwas wie einen schlechten Piraten eigentlich gar nicht geben – die Partei gibt keine Ideologie vor und zeigt kein einheitliches Erscheinungsbild. Was auf Außenstehende manchmal chaotisch wirkt, ist für Ramaswamy, der in der Vergangenheit bereits der FDP und der Partei die Linke angehört hatte, die Stärke der Partei und hat seine Entscheidung, beim Aufbau des Kreisvorstandes Göttingen mitzuwirken, maßgeblich beeinflusst:

 

O-Ton 1, Ramaswamy, 40 sec.

„Das war halt sehr spannend, weil ich dort erlebt habe, dass man eben mit seinen Ideen kommen kann und die dann diskutiert werden und man nicht so über Jahre sich in einer Partei hochschleimen muss, um möglichst nicht aufzufallen und möglichst nicht anzuecken! Und wenn die Ideen ankommen, dann hat man eben auch eine Chance auf eine Position. Ich bin dann im Landesvorstand Schatzmeister über drei Jahre gewesen und wie gesagt dann auf die Landesliste gewählt worden und das war eben möglich, weil man eben einfach sich als Person einbringen konnte. Und das gibt es glaub ich in keiner anderen Partei in der Form!“

 

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Der Sohn eines indischen Vaters und einer tschechischen Mutter wurde vor sechzig Jahren in Wien geboren, kam zur Einschulung aber in das hessische Eschwege. Nach dem Abitur studierte er ab 1972 Pädagogik, Publizistik und Völkerkunde in Göttingen. 1977 folgte die Promotion zum Thema „Kulturelle Erneuerung durch Erziehung am Beispiel Indiens im 20. Jahrhundert“. Nachdem Ramaswamy sich als Verleger, Filmemacher, Autor und Lektor versucht hatte, studierte er 1989 Arbeitsrecht und Verwaltung an der Universität Witten. Das wiederum ermöglichte es ihm, als Geschäftsführer einer Waldorfschule zu arbeiten, bis er 2004 die gleiche Position beim StadtRadio enterte

 

O-Ton 2, Ramaswamy, 36 sec.

„Da bin ich von einer freien Mitarbeiterin hier im Hause gefragt worden, ob ich mich nicht bewerben will, die Stelle wäre gerade frei. Und obwohl ich im Prinzip eigentlich immer freiberuflich sein wollte und auch immer freiberuflich war, hat mich dann natürlich Radio schon gereizt und ich hab dann damals glaub ich in irgendeinem Zeitungsinterview gesagt: 'Na ja, Radio ist erstmal für mich Film ohne Bild! Und dann mal schauen, was daraus wird!' Und dass Radio eben seinen eigenen Charakter hat und sehr wohl sehr gut ohne Bild auskommt, das hab ich dann auch hier gelernt.“

 

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Heute arbeitet der 60-Jährige als Werbegrafiker und Dozent für Medienpraxis. 2009 trat er den Piraten bei und war jeweils drei Jahre lang erster Vorsitzender und Schatzmeister. Die Ämter gab er freiwillig wieder auf, um Platz für Andere zu schaffen. Es sollen möglichst viele Menschen bei den Piraten mitmachen und gestalten dürfen, so Ramaswamy. Er selbst setzt sich unter anderem für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein, weil sich dann Probleme wie die Rentenfrage in Luft auflösen würden. Besonders wichtig ist dem Vater von sieben Kindern aber die Bildungspolitik. Dem Bologna-Prozess steht er äußerst skeptisch gegenüber:

 

O-Ton 3, Ramaswamy, 35 sec.

„Ich finde, dass das eine Katastrophe ist, weil Wissen aneignen kann man – wenn man sozusagen kreativ sein will - sich eben nur in einem ruhigen Prozess, eben nicht unter Druck! Wenn es nur darum geht, auswendig zu lernen, was es schon gibt, dann ist das ein Prozess, der ist korrekt. Aber wir wollen doch, dass Leute Phantasie entwickeln, dass sie neue Techniken entwickeln, dass es neue Prozesse gibt, dass geforscht wird! Und zu all dem hat man eigentlich keine Zeit, wenn man den Prozess so beobachtet, wie er jetzt in der Universität und in den Hochschulen ist!“

 

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Ebenfalls im Gegensatz zum Protagonisten von Fluch der Karibik kann Ramaswamy übrigens nicht behaupten, dass schon viele Menschen von ihm gehört hätten. Der leidenschaftliche Theatergänger ist der Meinung, dass den Piraten von den Medien zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und wenn, dann stünden parteiinterne Streitereien im Vordergrund. In den Umfragen kommt die Partei nicht über vier Prozent hinaus. Allerdings habe der Überwachungsskandal um den amerikanischen Geheimdienst NSA den Piraten, auf deren Flagge in großen Buchstaben „Internetsicherheit“ geschrieben steht, wieder etwas Aufwind verschafft:

 

O-Ton 4, Ramaswamy, 37 sec.

„Ganz Viele kommen auf uns zu! Also wenn wir einen Info-Stand haben, fragen sie nach den sogenannten Crypto-Partys, wo wir beibringen, wie man Mails verschlüsselt und wie man mit dem Internet geschützt umgeht. Die sind voll! Also da können wir uns überhaupt nicht beklagen mit dem Zulauf! Ich kann nur einfach sagen: wählt die Piraten und lasst euch von den Umfragen nicht runterbringen! Denn keine andere Partei übernimmt eben diese Fragen, diese sozialen Fragen und die Fragen mit Internet und Freiheit und Gestaltung des Datenschutzes so ernsthaft wie wir!“