Jurymitglied verteidigt Vergabe des Göttinger Friedenspreises
In der Diskussion um die diesjährige Verleihung des Göttinger Friedenspreises hat der Vorsitzende der Jury, Andreas Zumach, die Entscheidung, den Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden“ auszuzeichnen, verteidigt. Er begründete dies damit, dass der Verein sich für eine gerechte Friedenslösung zwischen Israelis und Palästinensern einsetze. Legitime Kritik an der Politik der israelischen Regierung dürfe nicht sofort als „antisemitisch“ stigmatisiert werden, erklärte Zumach. Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler hatte zuvor angekündigt, die Verleihung des Friedenspreises an den Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden“ vorerst aussetzen zu wollen, um einen Reputationsverlust der Stiftung Dr. Roland Röhl und des Friedenspreises zu vermeiden. Hintergrund war Kritik seitens der FDP-Ratsfraktion sowie des Göttinger FDP-Bundestagsabgeordneten Konstantin Kuhle, der Verein gehöre der BDS-Bewegung an, die unter Antisemitismusverdacht stehe. Köhler erklärte, dass der Friedenspreis nicht an den Verein überreicht werde, solange der Antisemitismusvorwurf nicht eindeutig ausgeräumt werden könne. Als Repräsentant der Stadt gehört Köhler dem Stiftungskuratorium an. Davon unabhängig wählt eine Jury jedes Jahr den Preisträger. Die Göttinger FDP-Ratsfraktionsvorsitzende Felicitas Oldenburg begrüßte Köhlers Reaktion, forderte jedoch eine endgültige Absage, dem Verein den Friedenspreis zu überreichen. Die Sparkasse Göttingen kündigte zudem an, die Unterstützung des Friedenspreises ebenfalls überprüfen zu wollen und begrüßte die Reaktion des Oberbürgermeisters. Zumach warf seinerseits Oldenburg sowie Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, der ebenfalls Kritik geäußert hatte, Diffamierung von Juden vor, die Mitglied der „Jüdischen Stimme“ oder ihres Europäischen Dachverbands "European Jews for a Just Peace" sind.