Geschrieben von Anja Würfel
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In der kommenden Woche werden die im Städtischen Museum 28 restaurierte Tora-Wimpel der Öffentlichkeit präsentiert. Mit den Tora-Wimpeln verfügt das Städtische Museum Göttingen über einen deutschlandweit bedeutenden Bestand. Die bis zu 3 Meter langen Textilien wurden nach der Beschneidung jüdischer Jungen kunstvoll angefertigt und geben Einblicke in die Glaubenswelt, Traditionen und Lebensgeschichten jüdischer Familien in Südniedersachsen zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert. Die hiesigen Wimpel können nahezu alle konkreten Personen und Familien zugeordnet werden, was eine Besonderheit in der Forschung darstellt. Die Wimpel dokumentieren so die Unterdrückung aber auch die Assimilation jüdischer Mitbürger. Sie geben auch Aufschluss über die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Tora-Wimpel sind damit Manifestationen der deutschen wie der jüdischen Geschichte. Die Wimpel gelangten an der Wende zum 20. Jahrhundert in das Museum und blieben lange unbeachtet. In den vergangenen zwei Jahren wurden sie aufwändig restauriert, wissenschaftlich beschrieben und erforscht. Eine Buchpublikation zu den Wimpeln ist aktuell in Vorbereitung.